Pfad

12.07.2015 Sight Seeing mal ganz anders

Die Sommermonate sind ja üblicherweise geprägt von einem überschaubaren Pegelstand der umliegenden Flüsse. Harte Zeiten für Wanderfahrer! Doch zum Glück liegt Köln am Rhein, denn bis der mal leer läuft, da muss schon einiges passieren. Somit sah die Planung vor, unsere Juli-Wanderfahrt auf dem Rhein stattfinden zu lassen. Die Entscheidung fiel auf den Abschnitt zwischen WSF und Langel, eine Streckenlänge von insgesamt 24 Kilometern. Wegen der Sommerferien und der Tatsache, dass das Gros der WSF’ler wohl im Urlaub zu vermuten ist, hatten wir keine großen Erwartungen an den Zuspruch für die Fahrt. Zu unserer Überraschung haben sich aber dann doch einige angemeldet.

Aufgrund einer im Vorfeld zufällig herbei geführten telefonischen Abstimmung wurde schnell offenbar, dass mit der Ausschreibung einer Wanderfahrt auf dem Rhein auch automatisch die Erwartung einhergeht, dass diese im Großcanadier stattfindet. Das hatten wir in der Planung allerdings so nicht vorgesehen, da wir eben wegen der Urlaubszeit nicht damit rechnen durften, die für den Großcanadier erforderliche Mindestbesatzung zustande zu bekommen. Und in der Tat lagen 24 Stunden vor der Tour auch nur fünf Anmeldungen vor, Wanderwart inklusive. Ein Teilnehmer hätte aber aufgrund mangelnder Paddelerfahrung einen Rückzieher machen müssen, wären wir mit den Einerkajaks aufs Wasser gegangen. Also wurden noch schnell zwei weitere Teilnehmer rekrutiert, wodurch unsere Gruppe auf nun sieben Personen aufgestockt wurde.

Das Wetter musste man sich ein wenig schönreden. Wurden wir am Vortag noch mit traumhaftem Sommerwetter gesegnet, so mussten wir uns nun mit grauem Himmel und böigem Wind arrangieren. Regen war auch noch von den einschlägigen Wetterdiensten vorhergesagt worden. Nun, denn! Wir wollen nicht meckern! Bei 30 Grad und praller Sonne auf dem Rhein zu paddeln, so völlig ohne Schatten, ist schließlich auch kein Vergnügen. Nachdem zuvor der Vereinsbus nebst Anhänger von uns in Langel an der Fähre positioniert wurde, haben wir dann mit vereinten Kräften den „Labbes“ zu Wasser gelassen.

Bei unseren kurzfristig hinzugewonnen Teilnehmern handelte es sich übrigens um Gäste aus Düsseldorf, was uns die Möglichkeit eröffnete, ihnen einmal unsere Stadt aus ungewohnter Perspektive näher zu  bringen. Eine Sight Seeing Tour auf dem Rhein per Paddelboot. Das hat man auch nicht alle Tage! Möglicherweise eine  interessante Marktlücke! Vielleicht eröffnen sich da ja sogar Potenziale für den WSF? Wer weiß! Jedenfalls hat der von uns gewählte Streckenabschnitt einiges zu bieten, was den auswärtigen Besucher interessieren und beeindrucken dürfte: der herrliche Blick auf den Dom, sobald man die Rodenkirchener Brücke hinter sich gelassen hat. Dann der Rheinauhafen, die Altstadt, Groß Sankt Martin, der LVR-Turm, die Kölner Brücken, der Rheinpark, um nur einige zu nennen. Anfangs waren wir uns nicht ganz einig, wo der Weckschnapp zu finden sei, konnten aber dann doch noch Konsens darüber erzielen. Jedenfalls hat der Umstand, dass wir unsern Gästen Köln zeigen und zu bestimmten Sehenswürdigkeiten auch was erzählen durften, dazu geführt, dass wir mal mit einer ganz anderen Sichtweise durch Köln gepaddelt sind und dabei unsere Stadt noch ein stückweit bewusster erleben durften.

Die Anzeichen des Massenauflaufs vom Vortag, als die Kölner Lichter zelebriert wurden, waren noch deutlich zu erkennen, nicht zuletzt durch die noch aufgebauten Tribünen und die schier unüberblickbare Zahl an Dixie-Klos am linken Rheinufer. Auch durch die Kompanie der orange gekleideten Straßenreiniger, die sich emsig an der Säuberung des Uferbereichs vor dem Rheinpark machten. Kurz vor Erreichen der Mülheimer Brücke hat uns dann auch mal kurz der Regen erwischt. Da wir aber nun mal eine Wassersportverein sind, sollte es uns egal sein, woher das Wasser kommt.

Nun haben wir den Streckenabschnitt erreicht, der sich aus touristischer Perspektive betrachtet eher durch eine eingeschränkte Attraktivität auszeichnet, es sei denn man hat ein Faible für Industrieanlagen und findet Gefallen daran, zwischen den Fordwerken auf der einen und dem Bayerwerk auf der anderen Seite entlang zu schippern.  Nun war auch der Punkt erreicht, an dem sich bei uns der Bedarf nach einer Pause einstellte. Dafür haben wir  ein lauschiges Plätzchen im Grünen an der Flittarder Heide gefunden, mit einem romantischen Blick auf die Fordwerke. Genüsslich wurden Butterbrote verspeist und Getränke einverleibt, um uns für die letzte Etappe zu stärken.

Bis Langel war es nun nicht mehr weit und die verbleibende Strecke haben wir damit verbracht, eine geografische Ortsbestimmung vorzunehmen. Sind wir schon an Merkenich vorbei? Kommt danach schon Langel? Wie, dazwischen liegt noch Rheinkassel? Nie von gehört! Nachdem wir unter der  Leverkusener Brücke  durch sind, froh darüber, dass uns kein LKW mit mehr als 3,5 Tonnen auf den Kopf gefallen ist, konnten wir schon unseren Zielpunkt am Horizont ausmachen, den wir  auch recht bald erreichten.

Nachdem wir  das Boot aus dem Wasser gewuchtet und auf den Hänger geladen haben konnten wir unisono feststellen, dass ein sehr schöne Tour hinter uns lag, die Spaß gemacht hat und etwas besseres Wetter verdient hätte.

Stefan Szostak